Das Graf-Münster-Gymnasium als Seminarschule

Für eine Schule ist es eine Auszeichnung und eine Herausforderung zugleich, wenn sie die Ausbildung junger Lehrerinnen und Lehrer übernehmen darf. Das Graf-Münster-Gymnasium ist seit 1949 durchgehend Seminarschule, was wir auch als Anerkennung für die Qualität unserer Ausbildung betrachten.

Seminarschule zu sein bedeutet, dass uns jeweils zum Schuljahresbeginn vom bayerischen Kultusministerium 20 – 30 Referendarinnen und Referendare zugewiesen werden. Diese haben nach einem etwa fünfjährigen Universitätsstudium in mindestens zwei Unterrichtsfächern ihr Erstes Staatsexamen abgelegt und treten nun in die zweite Phase der Lehrerbildung ein. Das zweijährige Referendariat ist in drei Ausbildungsabschnitte gegliedert: Das erste und das letzte (vierte) Halbjahr verbringen die jungen Kolleginnen und Kollegen an der Seminarschule, in den beiden Halbjahren dazwischen sind sie im so genannten „Zweigschuleinsatz“ an einem anderen bayerischen Gymnasium.

Am Graf-Münster-Gymnasium ist derzeit die Ausbildung in den Fächern Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Geographie, Mathematik, Physik, Spanisch sowie Wirtschaft und Recht möglich. In diesen Fächern finden jede Woche zwei- oder dreistündige Fachsitzungen statt, in denen die Seminarteilnehmer fachlich, fachdidaktisch und methodisch auf ihren Unterricht vorbereitet werden. In Biologie, Chemie und Physik werden die Referendare darüber hinaus in Praktika in der Durchführung von Experimenten angeleitet. Außerdem gibt es wöchentliche Sitzungen in Pädagogik, Psychologie, Grundfragen der staatsbürgerlichen Bildung sowie in Schulrecht und Schulkunde.

In den ersten Wochen hospitieren die Referendare zunächst im Unterricht ihrer Seminarlehrer und übernehmen dann selbst einzelne Stunden, die mit den Seminarlehrern ausführlich vor- und nachbesprochen werden. Von den Herbstferien bis zum Halbjahr unterrichten sie in jedem ihrer Fächer eine Klasse, wobei sie auch hier von Seminar- und weiteren Betreuungslehrern intensiv angeleitet, besucht und begleitet werden. Wenn sie nach einem Jahr Zweigschuleinsatz für das letzte halbe Jahr der Ausbildung an die Seminarschule zurückkehren, unterrichten sie wieder eine Klasse pro Fach und legen die noch ausstehenden Prüfungen zum Zweiten Staatsexamen ab.

Das Seminar im Schulbetrieb

Das Studienseminar ist sicherlich eine organisatorische Herausforderung für die Schule und hat auch Auswirkungen auf den Schulablauf, z.B. zusätzliche Lehrerwechsel und Stundenplanänderungen. Dennoch sind wir überzeugt, dass die Vorteile deutlich überwiegen und dass das Studienseminar insgesamt ein großer Gewinn für unsere Schule – für die Schülerinnen und Schüler und auch für die Lehrkräfte – ist.

  • Die Referendarinnen und Referendare bringen von der Universität den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung und auch neue methodische Ideen mit.
  • Sie sind mit den modernen Medien bestens vertraut und haben aufgrund des geringen Altersunterschieds eine größere Nähe zum Denken der Jugendlichen.
  • Zusammen mit den Ratschlägen zur praktischen Umsetzung, die die Seminar- und Betreuungslehrkräfte aufgrund ihrer jahrelangen Unterrichtserfahrung den jungen Kolleginnen und Kollegen mitgeben, wird gemeinsam ein Unterricht in einer guten Mischung aus neuen und bewährten Ideen entwickelt.
  • Besonders im ersten Ausbildungsabschnitt besuchen Seminar- oder Betreuungslehrer häufig den Unterricht ihrer Referendare, besprechen diese Stunden ausführlich mit ihnen und weisen sie auf Möglichkeiten der Optimierung hin.
  • Diese Beobachtungen und Gespräche über die besuchten Stunden sind auch für die Betreuungslehrer sehr bereichernd und bringen ihnen neue Impulse für ihren eigenen Unterricht. Außerdem bleiben sie dadurch immer auf dem Laufenden und im Kontakt mit ihren Klassen. Wenn ein Referendar erkrankt oder aus einem anderen Grund verhindert ist, übernimmt der Betreuungslehrer den Unterricht nahtlos, so dass Unterrichtsausfall nur äußerst selten vorkommt.
  • Im dritten Ausbildungsabschnitt ist eine so intensive Betreuung nicht mehr nötig. Schließlich haben die jungen Kolleginnen und Kollegen nach ihrem einjährigen Zweigschuleinsatz mit bis zu 17 Unterrichtsstunden pro Woche ihre Kompetenzen weiter verbessert und sind auch als Lehrerpersönlichkeiten gereift. Zudem stehen sie kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung.
  • Referendare übernehmen in ihren Klassen im zugelassenen Rahmen auch Vertretungen von erkrankten oder verhinderten Kollegen, so dass der Unterrichtsausfall weiter reduziert wird.
  • Bei Wandertagen, Exkursionen, Klassenfahrten und anderen Schulveranstaltungen stehen Referendare als zusätzliche Begleitpersonen zur Verfügung.
  • Referendare entwickeln (z.B. im Rahmen ihrer Schriftlichen Hausarbeit) besondere Unterrichtsprojekte, gestalten Schaukästen oder führen kleine Schülerwettbewerbe durch und bereichern auch dadurch das Schulleben.
  • Der Unterrichtseinsatz des Studienseminars ermöglicht die Teilung von Klassen. Diese Möglichkeit zur Bildung von kleineren Lerngruppen nutzen wir vor allem im ersten Ausbildungsabschnitt und besonders in den Kernfächern. Dies bringt den Schülern viele Vorteile:
    • In den experimentellen Fächern können verstärkt Schülerübungen durchgeführt werden.
    • In den Fremdsprachen haben die Schüler in den kleineren Gruppen mehr Gelegenheiten, selbst zu sprechen.
    • In schüleraktiven Arbeitsphasen hat der Lehrer weniger Schüler zu betreuen und dadurch mehr Zeit für die Unterstützung einzelner Schüler.
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      Außerdem erleichtern die halbierten Klassen auch den jungen Kollegen die ersten Schritte im selbstständigen Unterrichten:

    • Sie behalten leichter den Überblick über die Lerngruppe und können sich auf das Unterrichten konzentrieren.
    • Sie müssen weniger schriftliche Arbeiten korrigieren und auch während des Unterrichts weniger mündliche Noten generieren.
    • Die dadurch gesparte Zeit können sie wieder für ihre Schüler einsetzen: z.B. für zusätzliche Übungen im Unterricht und für die häufigere Durchsicht von Hausaufgaben
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      All das gleicht die anfängliche Unerfahrenheit mancher Referendare mehr als aus, was auch durch zahlreiche positive Rückmeldungen von Eltern unserer Schülerinnen und Schüler bestätigt wird.

    Trotz der derzeit ungünstigen Einstellungssituation in Bayern gehen nach den Beobachtungen der letzten Jahre Einsatzbereitschaft und Einsatzfreude unserer Studienreferendare weit über das zu erwartende Maß hinaus.

    In der Schulchronik zur 175-Jahr-Feier des Graf-Münster-Gymnasiums im Jahr 2008 wird den Referendaren „Jugendlichkeit, Motivation, Ideenträchtigkeit, Schwung, Schülernähe, Einfallsreichtum“ bescheinigt. Dies gilt auch heute noch, ebenso wie der dortige Schlusssatz:

    „Seien wir stolz auf die Seminartradition unserer Schule, sie hebt sie heraus.“

Das Seminar 17/19 am Beginn des Vorbereitungsdienstes

Das Seminar 16/18 am Beginn des Vorbereitungsdienstes

Das Seminar 15/17 mit Seminarlehrkräften nach dem Abschluss der Prüfungen

Das Seminar 14/16 mit Seminarlehrkräften nach dem Abschluss der Prüfungen

Das Seminar 13/15 mit Seminarlehrkräften nach dem Abschluss der Prüfungen