Französisch als dritte Fremdsprache

Unsere Schule bietet traditionell neben dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig auch den neusprachlichen Zweig an. In letztgenanntem wurden bis vor wenigen Jahren Englisch als erste, Latein als zweite und Französisch als dritte Fremdsprache gelernt. Mittlerweile können unsere Schülerinnen und Schüler im genannten Zweig zwischen den Sprachenfolgen Englisch – Latein – Französisch, Englisch – Französisch – Spanisch und Englisch – Latein – Spanisch wählen.

Leider entschieden sich aus der Jahrgangsstufe acht in den letzten drei Jahren so wenige Schüler für Französisch, dass im Schuljahr 2005/2006 erstmals keine Klasse oder Lerngruppe mehr Französisch als dritte Fremdsprache lernen wird. Höchste Zeit also, an die Vorteile der Sprache unseres Nachbarn zu erinnern! Dabei soll vorrausschickend betont werden, dass es seit jeher die Schülerinnen und Schüler dieses dreijährigen Intensivkurses Französisch waren und sind, die dieses Fach dann – und mit großem Erfolg! – als Leistungskurs gewählt haben.

Warum Französisch?

Für Französisch an sich gibt es eine Fülle guter Gründe. Französisch und Deutsch sind die Hauptsprachen im kontinentalen Europa. Selbst unter Einbeziehung der britischen Inseln gibt es innerhalb der Europäischen Union keine Sprache, die – ausgenommen Deutsch – mehr Muttersprachler zählt als das Französische.

Es ist des weiteren unstrittig, dass Frankreich unser unmittelbarer und wichtigster Nachbar ist. Mit keinem anderen Land auf der Welt bestehen ähnlich enge und umfangreiche wirtschaftliche Kontakte. Frankreich ist das wichtigste Exportland für die deutsche Wirtschaft, was sicherlich damit zu tun hat, dass Frankreich die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt darstellt.

Schon aus diesem Grund ist die Beherrschung der französischen Sprache von enormem Vorteil, haben viele deutsche Firmen und wissenschaftliche Institute doch Kooperationen mit französischen Partnern.

Was die politische und kulturelle Seite der deutsch-französischen Beziehungen angeht, so nimmt auch hier Frankreich einen Platz ein, der ihm von keinem anderen Land streitig gemacht werden kann. Mit Frankreich gibt es unzählige Kontaktezwischen Schulen, Gemeinden, Bezirken und Regionen, zwischen Behörden, wissenschaftlichen Instituten und Unternehmen. Als Schüler, Student. Berufstätiger, als Geschäftsmann oder als Tourist wird man daher vielfältige Möglichkeiten des Austausches mit diesem Land haben und seine Sprachkenntnisse bald anwenden können. Die enge Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich, begründet 1963 mit dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, bezeugen auch Institutionen wie der deutsch-französische Fernsehkanal ARTE sowie das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), Einrichtungen, wie es sie zwischen zwei Ländern sonst auf der Welt nicht gibt!

Und natürlich ist Französisch eine Weltsprache, die auf allen Kontinenten als Muttersprache und Verkehrssprache gesprochen wird.

Die herausragende Stellung des Französischen wird auch in der Hauptstadt der Europäischen Union, Brüssel, augenfällig. Die Stadt, in der viele europäische Behörden ihren Sitz haben, ist zu 85 % französischsprachig. Eine andere europäische Stadt von internationalem Rang ist ebenfalls frankophon, nämlich Genf, wo viele UN-Organisationen beheimatet sind.

Betrachten wir nun die Geschichte und die Kultur, so bietet sich das gleiche Bild: Die französische Sprache hat eine dominierende Stellung. Sie ist seit vielen hundert Jahren die Bildungssprache par excellence: das moderne Europa ist ohne den Einfluss Frankreichs und des Französischen nicht vorstellbar. Man denke nur an die Französische Revolution oder an die Aufklärung! Viele kulturelle und historische Gegebenheiten in Deutschland und Europa weisen nach Frankreich.

Ihre fast logische Fortsetzung findet die beherrschende Position des Französischen in der Literatur: nicht weniger als zwölf Nobelpreise für Literatur gingen bisher an französische Autoren! Französisch ermöglicht somit den Zugang zu einer der interessantesten Literaturen der Welt sowie zu Theater, Film, Literatur und bildender Kunst.

Französisch ist eine romanische Sprache. Mit guten Französischkenntnissen lernt man weitere romanische Sprachen wie Italienisch, Spanisch und Portugiesisch wesentlich leichter, denn ein Großteil des Wortschatzes ist dem Französischen sehr ähnlich. Hat man einmal die Vokabeln liberté (Freiheit), justice (Gerechtigkeit), amour (Liebe) oder travailler (arbeiten) gelernt, wird man sie sofort im Spanischen wiedererkennen: libertad, justicia, amor, trabajar. Gleiches gilt auch und vor allem in der Grammatik, denn auch dort sind die Gemeinsamkeiten zahlreicher als die Unterschiede. Um nur ein Beispiel zu nennen: die Regeln des französischen Konjunktivs, des subjonctif, sind weitestgehend die gleichen wie für seine Entsprechung in anderen romanischen Sprachen. (Diese praktischen Aspekte gelten natürlich auch in umgekehrter Richtung!)

Und schließlich darf nicht vergessen werden, dass Frankreich mit seinen herrlichen Landschaften, seinen ausgedehnten Stränden und reizvollen Städten das von ausländischen Touristen meistbesuchte Land der Welt ist. Gleiches gilt übrigens für Paris: in keine andere Stadt auf der Welt kommen jährlich so viele Besucher wie nach Paris!

Die Vorzüge sind also offensichtlich: Wer französisch kann, öffnet sich selbst eine große Pforte zu Bildung und Wissen und verschafft sich selbst entscheidende berufliche Vorteile.

Französisch hat an unserer Schule, wie eingangs erwähnt, eine lange Tradition. Der Verfasser ist selbst mit Französisch als dritter Fremdsprache groß geworden und hat dabei sehr viel vom vorher gelernten Latein profitiert. (Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass er auch vom Italienischen in gleicher Weise profitiert hätte.)

Schüleraustausch

Was jedoch den Französischunterricht heute noch interessanter und attraktiver macht als vor zwanzig Jahren ist beispielsweise die Möglichkeit, an einem Austausch mit unserer Partnerschule in Nantes und auch vorher, in der Unterstufe, mit unserer anderen Austauschschule in Guémené-Penfao teilzunehmen. Leider gelingt es lange nicht allen deutschen Gymnasien, französische Partnerschulen zu finden.

Umso stolzer sind wir, gleich zu zwei Schulen enge Verbindungen zu haben! Diesen Aufenthalten in französischen Familien verdanken mittlerweile seit zwei Jahrzehnten viele Schüler anhaltende Kontakte nach Frankreich. Keine andere Maßnahme gestattet es dem Schüler, Frankreich gleichsam von innen heraus kennen zu lernen, und dementsprechend hoch ist die Motivation der Schüler nach einem solchen Austausch!

Auch ein längerer Austausch ist möglich: gute Schüler der elften Klasse können einen mehrmonatigen Aufenthalt in einer französischen Familie genießen und eine französische Schule besuchen. In diesem Schuljahr nahm erstmals ein Schüler des GMG diese Möglichkeit wahr. Er selbst und seine Gastfamilie waren begeistert!

DELF

Manche unserer Schüler würden gerne auch in der Kollegstufe Französisch in einem Grundkurs lernen. Dieser kommt jedoch meistens nicht zustande, da die Anzahl der Meldungen für solch einen Grundkurs meist nicht ausreicht und der Schule durch die sogenannte Budgetierung des Stundenkontingents Beschränkungen im Kursangebot auferlegt sind. Gerade für diese Schülerinnen und Schüler gibt es jedoch eine Möglichkeit, die Sprachkenntnisse zu vertiefen, indem sie die vom französischen Erziehungsministerium organisierte DELF-Prüfung ablegen.

DELF steht für Diplôme d’Études en Langue Française (Französisches Sprachdiplom). Dabei handelt es sich um eine Prüfung, die vom französischen Bildungsministerium und dem Internationalen Zentrum für Pädagogische Studien (CIEP) angeboten wird. Sie steht allen Personen ohne französische Staatsangehörigkeit offen, die sich in der Schulausbildung befinden. Es werden die Sprachkompetenzen in Wort und Schrift geprüft und bescheinigt. Das „Diplom“ kann sowohl in Frankreich als auch in 100 anderen Ländern in vielen Instituts Français, Centres Culturels oder Alliances Françaises vorbereitet und abgelegt werden.

Der Erwerb der Diplome erfolgt auf der Basis von 10 einzelnen Bausteinen verschiedener Sprachniveaus nach dem Baukastenprinzip. Eine Reihenfolge für die Ablegung der Teilprüfungen innerhalb einer Stufe ist nicht vorgeschrieben. Es ist auch möglich, gleichzeitig mehrere Einheiten abzulegen. Ist ein Baustein einmal erfolgreich abgelegt, ist er für immer gültig. Wer den nötigen Ehrgeiz besitzt, kann sogar bis zum letzten Baustein gelangen, der ihm oder ihr dann die Möglichkeit eröffnet, an jeder französischen Hochschule ohne weiteren Nachweis von Sprachkenntnissen im Französischen zu studieren!

Ist Französisch schwer?

Dass das Französische eine schwere Sprache sein soll, ist ein oft anzutreffendes Urteil, das manchen Schüler daran hindert, Französisch zu wählen. Um es kurz zu machen: Französisch ist eine anspruchsvolle Sprache, die Interesse und Engagement und, natürlich, auch Lernbereitschaft einfordert. Aber darin unterscheidet sie sich keinen Deut von anderen Sprachen! Hört man nicht auch allerorten, Englisch sei leicht? Wäre dem so, müssten ja die Schülerinnen und Schüler in diesem Fach mehrheitlich gute bis sehr gute Noten haben. Da dies jedoch nicht der Fall ist, auch nicht in Latein oder Spanisch, wird klar, worauf es ankommt: Schüler werden von ihren Lehrerinnen und Lehrern gefordert und gefördert, sie müssen in jedem Fach das leisten können, was in einer bestimmten Altersgruppe laut Lehrplan von ihnen verlangt werden kann. Sollte eine Schülerin dies nicht leisten können, dann sind die Ursachen unter Umständen vielfältiger Natur; sie lassen sich aber sicherlich nicht darauf zurückführen, dass eine Sprache an sich besonders schwer sei.

Was den Französischunterricht angeht, so schüttet er über den Schülern geradezu ein Füllhorn interessanter und abwechslungsreicher Aktivitäten und Inhalte aus: sie lernen eine musikalische, wohlklingende Sprache sprechen, verstehen von Muttersprachlern gesprochene und geschriebene Texte, erkennen ihre eigene Muttersprache durch den Vergleich mit einer fremden Sprache neu und erfahren Kultur und Geschichte eines unmittelbaren Nachbarn auf lebendige Weise, und das alles auf dosierte Weise in langsam aufeinander aufbauenden Schritten.

Mit unseren neuen Büchern Cours Intensif 1 und 2 für Französisch als dritte Fremdsprache (sprachlicher Zweig) und der Neuausgabe von Découvertes für Französisch als zweite Fremdsprache verfügen wir über gut durchdachte, in jeder Hinsicht schülergerechte und sogar lustige Sprachlehrbücher, die mit ihren vielen Begleitmaterialien das Erlernen des Französischen noch faszinierender machen, als es sowieso schon ist!

Bleibt also zu hoffen, dass diese Ausführungen dazu beitragen, Schülern und Eltern die Vorteile dieser wunderbaren Sprache aufzuzeigen und den neusprachlichen Zweig mit Französisch als dritter Fremdsprache wieder zum Leben zu erwecken!Vive la France!

Werner Küfner