Behalte den Flug in deinem Gedächtnis

Wie stellst du dir eine Autorenlesung vor? Vielleicht so, dass der Autor vorne vor dem Publikum sitzt und ewig, mit monotoner Stimme, aus seinem Buch vorliest. Hört sich nicht so spannend an, aber die Autorenlesung von Sudabeh Mohafez war ganz anders.
Ihre Lesung begann mit einem Ausflug in die Vergangenheit und in die Psychologie. Was hat das denn mit einer Autorenlesung zu tun? Ganz einfach, durch den Zusammenhang von Vergangenheit und Psychologie hat Sudabeh Mohafez die Hintergründe zu einigen ihrer Werken erläutert. Die Autorin wuchs in Teheran (Iran) auf, als Tochter eines iranischen Vaters und einer deutschen Mutter. Sie erlebt eine schwere und harte Kindheit mit schlimmen Erfahrungen. In der Psychologie spricht man von einer massiven Prägung, die sie in dieser Zeit erfahren hat. In Zukunft sollen noch drei Psychotherapien nötig sein, um Sudabeh Mohafez zu dem Mensch werden zu lassen der sie heute ist, eine glückliche, offene und sympathische Frau.
Ein Tag in ihrer Kindheit prägte sie dauerhaft. Am 19.Januar 1979 reiste sie mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter das erste Mal nach Deutschland und verließ damit ihre erste Heimat. Später, während einer Therapiestunden, bekommt sie den Auftrag von diesem Tag all ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Dadurch entsteht ihr Gedicht: “Behalte den Flug in deinem Gedächtnis”. Es wird zu einem Fragegedicht, da dieser gesamte Tag aus ihrem Gedächtnis gelöscht ist. Der Text handelt vom tief empfundenen Abschiedsschmerz von der Heimat ihrer Kindheit.
Auch in dem Gedicht hat Sudabeh Mohafez ihre zwei Kulturen, die persische und die deutsche, eingebracht. Normalerweise ist jeder deutschsprachige Text linksbündig, doch dieses Gedicht ist rechtsbündig. So ist das nämlich im persischen, der Text ist rechtsbündig und man liest ihn von rechts nach links. Im weiteren Verlauf der Lesung las die Autorin noch eine Kurzgeschichte mit biographischem Hintergrund vor und so ging die Autorenlesung von Sudabeh Mohafez zu Ende. Es war eine klasse Lesung, die vor allem durch die persönlichen, offenen Erzählungen aus Sudabeh Mohafez‘ Leben, Lust auf mehr Geschichten von ihr gemacht haben.
von Neele Boderius

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