Interview mit Influencerin – digitaler Deutschunterricht in Zeiten der Corona-Pandemie

Alle Schülerinnen und Schüler der Klasse 9C gaben bei einer internen Umfrage im Deutschunterricht an, mindestens ein Profil auf Plattformen wie Instagram, YouTube, TikTok oder Twitch zu pflegen, was beweist, dass der Gebrauch sozialer Medien zweifelsohne zu einem zentralen Bestandteil der Lebenswelt der Jugendlichen gehört. Umso wichtiger ist es, sich reflektiert mit der eigenen Mediennutzung, aber auch mit den Intentionen und Wirkungen dieser Informationsangebote auseinanderzusetzen.

Um die theoretischen Erkenntnisse über die Chancen und Risiken von Influencern aus dem Unterricht auch mit praktischen Einblicken untermauern zu können, wurde als Highlight vor den Pfingstferien die Gastrednerin Johanna Brunzel, Inhaberin des Accounts „bellzaubernd_“ auf Instagram, in den Unterricht eingeladen, um exklusive Einblicke in ihre Tätigkeit als Content Creatorin zu gewinnen. Die Petfluencerin lässt ihre 25.500 Follower nun schon seit über drei Jahren auf Instagram an ihrem Leben teilhaben, nimmt sie per Live-Video auf ihre Spaziergänge mit, zeigt die Mahlzeiten ihrer Vierbeiner oder filmt ihre Tierarztbesuche. Wer ihr folgt, weiß wo sie wohnt, wie sie ihre Freizeit verbringt, mit wem sie sich trifft und auf welchem Hundebett ihre Tollerhündin „Nubi“ schläft. Doch woher rührt die Motivation, das eigene Privatleben über Jahre hinweg mit tausenden von Menschen zu teilen? Fragen wie diese wurden von den Schülerinnen und Schülern unter anderem im digitalen Interview gestellt:

Nach einer kurzen Vorstellung ihres Profils stand die 25-Jährige den interessierten Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort. Offen und ehrlich plauderte sie aus dem Nähkästchen und erklärte unter anderem, wie bezahlte Kooperationen zustande kommen und nach welchen Kriterien Unternehmen ihre Werbepartnerinnen und -partner auswählen. Beispielsweise seien -abhängig von der Größe und der Reichweite eines Accounts- mehrere hundert Euro pro Werbeplatzierung üblich. Zur Ermittlung des eigenen Marktwertes wird eine konkrete Berechnungsformel herangezogen: 10 Euro pro 1000 Abonnenten.

Sie erzählte unter anderem, dass Influencer ihre Reichweite, die auf Basis erbrachter Clicks und Interaktionen mit ihren Followern errechnet wird, nachweisen müssen, um für Unternehmen als attraktiver Werbeträger wahrgenommen zu werden. Hierfür gäbe es Apps und Tools, die alle relevanten Daten verarbeiten und als Diagramme aufbereiten, die dann an Firmen weitergeleitet werden müssten. Der damit verbundene Zwang, regelmäßig aktiv zu sein und Leistung erbringen zu müssen, um nicht in der Gunst der Follower zu sinken, wird von der jungen Frau milde weggelächelt: Ihr mache es einfach großen Spaß und sie sehe es hauptsächlich als Hobby an.

Dennoch räumt sie ein, an manchen Tagen bis zu fünf Stunden auf Instagram zuzubringen. Deshalb versuche sie, ihre Bildschirmzeit bewusst zu reduzieren und mehr Zeit im „realen Leben“ zu verbringen. Ihr Privatleben leide aber nicht unter ihrer Influencerkarriere. Ihr fester Freund sei zum Beispiel eine große Unterstützung und trete nicht nur selbst in ihren Videos auf, sondern stelle sich ab und an sogar als Fotograf zur Verfügung, um Hund und Frauchen ins rechte Licht zu rücken.

Tage, an denen sie keine Lust habe, etwas zu posten, gäbe es auch, dennoch plane sie noch lange auf Instagram aktiv zu sein und habe sich die 50.000 Followermarke als nächstes persönliches Ziel gesetzt.

Wir wünschen ihr dafür alles Gute und bedanken uns für ihre Zeit und den fruchtbaren Austausch!

Klasse 9C und Marissa Grimm, StRefin